„Das Musikbusiness funktioniert wie das Laufwerk einer Uhr.“

Ich habe Asha Edwards von Walk Artists getroffen. Sie guckt auf mittlerweile knapp zwei Jahrzehnte in der Musikbranche zurück und hat damit das „goldene Zeitalter“, die 1990iger Jahre, miterleben dürfen. Sie erzählt, dass allein Musikvideos ein Budget von 100.000DM hatten, Produkt- oder Promotionmanager wurden über Wochen in die USA ausgeflogen, um Interviews zu betreuen oder um Journalisten auf Händen zu tragen. Anfang 2000 kam dann die Wende. Die Digitalisierung erschütterte die Musikbranche in ihren Grundfesten. Die CD verlor den Status des Kassenschlagers. Damit brachen die Einnahmen ein, Streaming stand plötzlich auf der Tagesordnung.

Asha ist in der Musikbranche geblieben und ist heute Künstlermanagerin, berät neben Künstlern aber auch Agenturen oder Marken und gründet gerade ihren eigenen Verlag. Sie mag ihren Job und sie kennt sich aus in der Branche. Das wird sehr schnell deutlich, als sie zu reden beginnt.

Der Manager, dein Partner in Crime.

„Als Manager muss man sich auskennen“, meint sie, „denn du trägst die Verantwortung, du musst Strategien entwickeln und die Karriere vorantreiben“. Sie vergleicht das Verhältnis zwischen Musiker und Manager mit einer 50iger Jahre Ehe, in der die Rollen ganz klar definiert sind: Der Künstler schafft die Inhalte, der Manager kümmert sich um das geschäftliche bzw. strategische. Mir wird in diesem Moment klar, wie elementar dabei eine vertrauensvolle Basis ist. Sie erzählt weiter, dass man sich z.B. mit Verträgen und der rechtlichen Situation auskennen muss, um abschätzen zu können, was ein guter Deal ist. „Was vor 10 Jahren ein guter Deal war ist heute kein guter Deal mehr“, meint sie. Sie selbst ist keine studierte Juristen, sie hat es sich alles von Christian Kamè während ihrer Zeit bei Kamè Entertainment erklären lassen und erkannt, dass die Grundlage Urheber- und Leistungsschutzrechte sind. Asha erzählt, dass man vieles lernen kann. Sie betont aber, dass im Umgang mit Künstlern ebenfalls sehr viel Empathie gefragt ist. Der Künstler muss im richtigen Moment bestärkt aber vielleicht auch heruntergeholt werden. „Es ist ein hartes Business“, meinte sie. Sie erklärt, dass in Deutschland der Manager prozentual an den Einnahmen des Musikers aus den CD Verkäufen, den gespielten Konzerten und dem Publishing beteiligt wird. Da ein Musiker nicht von Beginn an Geld abwirft, wird mir nun auch klar, warum ein Manager nicht nur mit Newcomern zusammenarbeiten kann.

Dein Netzwerk ist als Manager dein Kapital.

Asha und ich kommen auf das Thema Netzwerk zu sprechen. Sie erzählt, dass in einem Netzwerk immer auch Kontakte dabei sind, bei denen man weiß, dass man mit denen klar kommen muss – so genannte Gatekeeper. Mit anderen Kontakten wiederum verbringt man gerne seine Zeit. Sie meint, dass es besonders wichtig ist, dass man die Menschen um sich herum gut behandelt und ihnen nicht ihre Zeit raubt. Außerdem erklärt sie, wie wichtig Festivals und Conventions wie z.B. das Reeperbahn Festivals sind, weil auf solchen Events die gesamte Branche vor Ort ist. „Hier tragen alle ein Namensschildchen auf denen steht, wo die Leute arbeiten und was sie machen“, meint sie, „das kann als Aufhänger für Gespräche genutzt werden und schon hast du einen Kontakt mehr.“

„Oft setzt sich nicht das Talent durch“

Ich muss an Deutschland sucht den Superstar denken und fange an über Talente zu reden. Asha erzählt, dass früher noch Demo-Tapes verschickt wurden, die Majorlabels haben

sich diese angehört und dann den Musiker unter Vertrag genommen. Die Zeiten haben sich aber geändert. Heute läuft es alles über das Live-Geschäft und Empfehlungen, die aus dem Netzwerk kommen. Hier greifen dann Mechanismen, auf die der Musiker selbst keinen Einfluss mehr nehmen kann. Sie erklärt, dass sich der Musiker durchsetzt, der entweder den längsten Atem hat oder den gerade passenden Sound liefert. Sie vergleicht die Hürden, die Musiker heute zu überwinden haben, bis sie erfolgreich sind, mit einem Spermium. Auch hier gibt es nur sehr wenige, die es am Ende schaffen. Sie erzählt ebenfalls, dass Musiker gezielt aufgebaut werden. Es wird ein Team aus z.B. Autoren, Komponisten und Textern zusammengestellt und eine Person gesucht, die das Zusammengeschriebene verkörpern kann. Asha betont, dass diese Vorgehensweise nichts Verwerfliches hat. Es ist ein harter Job als Musiker auf der Bühne zu stehen, da muss man nicht on top auch noch Autor oder Urheber der Texte selbst sein.

Die größte Herausforderung: Die Brücke zwischen Kunst und Kommerz

Ich frage sie nach Herausforderungen, die ihr während ihrer Arbeit bisher begegnet sind. Sie erzählt, dass das Tolle aber auch die größte Herausforderung ist, dass man in der Musikbranche eine Brücke zwischen Kunst und Kommerz schlägt. Asha erklärt, dass in der Musik sehr viel von dem Musiker selbst steckt und Überkommerzialisierung könnte die Fans wegbrechen lassen und damit das Geld. Sie erzählt, dass eine weitere Herausforderung ist, dass die Branche schnelllebiger geworden ist und das sich Vertriebsstrukturen verändert haben. Sie vergleicht die Branche mit einem offengelegten Uhrwerk „das kann nur laufen, wenn man immer einen Song rein schmeißt und nachlegt und nachlegt und nachlegt“, meint sie. Das birgt eine Menge Gefahren, wenn der Musiker nicht mehr kann oder nicht mehr will, dann kommt der Geldfluss ins stocken.

Mittlerweile ist es spät geworden und wir beenden unser Gespräch. Ich hätte noch ewig mit ihr zusammensitzen können und über die Strukturen der Musikbranche und die Aufgaben eines Musikmanagers reden können. Vielleicht gibt es hier irgendwann ein Wiedersehen. Es würde mich sehr freuen!

Fühlst Du Dich angesprochen? Dann trage Dich HIER in meinen Newsletter ein und ich halte Dich auf dem Laufenden!