„Mein Kind war kein Karrierekiller“

Josephine Wirtssohn wollte immer schon die Kunst zu ihrem Beruf machen. Als Kind bekam sie Ballett-, Klavier-, Chor- und Gesangsunterricht. Später ließ sie sich zur Musicaldarstellerin ausbilden und trat im TV, bei Dinnershows, in Bühnenstücken und Musicals auf. Nach der Geburt ihres Kindes hat sie heute ihre besondere Nische mit dem Thema Musik für Kinder gefunden. Sie bringt Kindern Musik, Tanz und die Bühne in ganz unterschiedlichen Kontexten nahe, z.B. mit dem Poptrio Apila. Außerdem reden wir darüber, welchen Einfluss die ungeplante Schwangerschaft auf ihre Karriere hatte, wie sie als Mutter in der Musikbranche arbeitet und wie sie zur #metoo Debatte steht.

Für meine Podcast-Serie habe ich Josephine Wirtssohn getroffen. Sie erzählt von ihrem Weg in der Musikbranche und warum sie mit ihrer Frauenband ausgerechnet Musik für Kinder macht.

Showbiz zwischen Glitzer und Gesellschaftskritik

„Ich wollte auf jeden Fall auf die Bühne“, sagt Josephine. Sie war fasziniert von Glitzerkostümen und Federschmuck in alten Musicals, Revuen und Varietés. Gleichzeitig haben sie Stücke mit Tiefgang und satirische Shows mit politischem und gesellschaftskritischem Anspruch gereizt. Ihr erstes Engagement hatte sie als Tänzerin und Sängerin in einer Satiresendung des ZDF. Über Ausschreibungen, Bewerbungen und anschließende Auditions bekam sie ihre Aufträge und jobbte nebenbei, wenn diese ausblieben. Der Konkurrenzdruck in ihrer Branche ist hoch, es gibt zu viele Künstler*innen auf zu wenige Jobs. Absagen sind selbstverständlich, oft geht es dabei um das Aussehen. „Da muss man einfach das Beste draus machen, es kommt wie es kommt“, sagt sie. Josephine konnte sich ihre positive Einstellung erhalten. Sie erlaubte sich einen Tag Selbstmitleid und „dann hab ich wieder losgelegt, war wieder motiviert und hab einfach weitergemacht.“

Zeit für eigene Projekte: Mutterschaft & Musikbranche

Mit der Geburt ihres Sohnes veränderte sich Josephines Berufsleben komplett. Während der Schwangerschaft hatte sie Angst, ob sie als Mutter in der Musikbranche noch ernst genommen würde und ob sie ihren Beruf als Tänzerin weiter ausüben könnte. Doch ihre Befürchtungen bewahrheiteten sich nicht, es kam alles ganz anders. Sie konnte weiter auf der Bühne arbeiten und mit der Unterstützung ihrer Familie ihre eigenen Projekte entwickeln. „Mein Sohn hat mich total inspiriert, meine eigenen Sachen zu machen“, erzählt Josephine. Sie entschied sich, nicht mehr auf Tour zu gehen. Stattdessen begann sie, Musik und Tanz zu unterrichten und mit zwei früheren Kolleginnen eine eigene Band zu gründen. Das Trio „Apila“ (finnisch für „Klee“) macht Popmusik mit deutschen Texten für Kinder. Die Idee dazu kam Josephine beim Unterrichten: „Die Kinder haben mich immer gefragt, ob ich eine Band habe und warum ich meine Musik nicht auf der Bühne spiele oder es von mir keine CDs zu kaufen gibt.“ Die Musik von Apila ist beeinflusst vom Swing, denn die drei Ladies lieben den Style der Fifties und natürlich die Frisuren.

„In der Kindermusik kannst du über alles schreiben.“

Josephine schreibt die Texte für Apila selbst, auch wenn sie sich das professionelle Songschreiben lange nicht zutraute. Ihren ersten Song schrieb sie ganz spontan aus einer Laune heraus. Mit ihren Texten möchte sie Kinder und Eltern in einen Dialog bringen und die Kinder anregen, ihren Eltern Fragen zu stellen. „Ich finde es total schade, wenn man Kinder nicht ernst nimmt“, sagt sie. Das habe sie in der Kindermusik oft vermisst und sie möchte, dass es gute Musik mit guten Texten für Kinder gibt. Sie spielt mit Klischees, baut Wortspiele und ironische Hinweise ein, damit sich Erwachsene genauso von ihren Songs angesprochen fühlen. Dennoch fühle sie sich in der Kindermusik freier, über alles zu schreiben, was ihr in den Sinn kommt. Das könne sie sich bei Musik für Erwachsene nicht vorstellen.

#metoo oder Die feministische Weihnachtsfrau

Einer der Songs aus dem letzten Jahr, für den Apila sehr positives Feedback bekommen hat, heißt „Die Weihnachtsfrau“. Es ist ein feministisch angehauchter Weihnachtssong, in dem die Weihnachtsfrau nicht mehr nur zuhause sein und Geschenke einpacken will. Sie will endlich auch einmal mit dem Schlitten durch die Gegend ziehen! Der Text spiegelt Josephines Erfahrungen in der Musikbranche wider. Für Apila als Frauenband, die zudem Musik für Kinder macht, gibt es einige Hindernisse zu überwinden. Sie sagt, dass auch in ihrer Nische die von Männern gemachte Musik und männliche Interpreten dominieren. Josephine erzählt von ihren persönlichen Erlebnissen mit der typischen Verteilung der Geschlechterrollen. Sie ist feministisch aufgewachsen und begrüßt die aktuelle #metoo Debatte. „Sie öffnet mir nochmal wirklich die Augen und ich merke im Nachhinein, ich habe vieles einfach so hingenommen.“

Shows mit den Kleinen

Neben ihrer Band Apila unterrichtet Josephine Tanz und Gesang für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. „Es wird nochmal viel kreativer und gibt einem soviel zurück“, sagt Josephine über das Unterrichten. Zudem organisiert sie Projektwochen an Schulen, die sie mit einem Künstlerteam durchführt. Innerhalb der Projektwochen wird ein Musical geprobt und schließlich aufgeführt. Die Kinder können sich für die Sparten Tanz, Schauspiel, Gesang, Bühnenbild oder Film entscheiden. „Ich versuche immer Kinder dazu zu inspirieren, ihre eigenen Fähigkeiten zu entdecken“, erzählt Josephine. Es gehe darum, die Kinder für die Kunst zu begeistern und gleichzeitig um den pädagogischen Wert. Die Kinder übernehmen Verantwortung und entdecken sich selbst, ihre Fähigkeiten und ihre Mitschüler*innen noch einmal neu. Die Bühne gibt auch denen Selbstbewusstsein, deren Leistungen in der Schule schwächer sind. „Deine kleine Show“ wiederum ist ein Workshop für Kindergeburtstage, den Josephine neben ihren anderen Projekten anbietet. Eltern können Josephine für einen Nachmittag zuhause oder in einer Tanzschule buchen. Sie kommt mit Kostümen und Equipment vorbei. Am Ende des Geburtstags wird gemeinsam ein Stück, eine Choreographie oder einen Song aufgeführt: eine kleine Show eben.

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