„Schlechte Pressefotos machen mich sauer.“

Katja Ruge ist Hamburgerin und seit vielen Jahren selbstständige Fotografin. Sie hatte schon diverse musikalische Größen vor ihrer Linse. Außerdem ist sie DJ (das Wort DJane mag sie nicht) und veranstaltet seit Langem erfolgreich ihre eigene Partyreihe.

Im Podcast-Interview hat Katja mir erzählt, was ein gutes Fotoshooting mit einer Musiker*in ausmacht und wie das perfekte Bild entsteht. Sie findet, dass sich Frauen in der Musikbranche mehr zutrauen sollten. Es nervt sie nämlich schon lange, wie wenig diese sichtbar sind.

Vom Hamburger Fotolabor in die Musikszene von Manchester

„Zuerst war die Musik da“, sagt Katja auf die Frage, wie sich Musik und Fotografie in ihrem Leben miteinander verwoben haben. Die Fotografie habe sich ganz langsam eingeschlichen. Ab ihrer Teenagerzeit hatte sie beim Ausgehen immer eine kleine Kamera dabei. Später machte sie eine Ausbildung zur Fotolaborantin und seit sie 19 Jahre alt ist, fotografiert sie Musik und Musiker. Die Initialzündung dafür kam, als sie für ein japanisches Magazin ein Heavy Metall Konzert fotografierte. „Da habe ich erkannt, dass das mein Ding ist: Musik fotografieren.“

Katja lebte Anfang der 1990er-Jahre in Manchester, wo sie als Fotolaborantin arbeitete. Sie ging viel in den legendären Clubs der britischen Musikmetropole aus und übte an den Turntables ihres Mitbewohners das Auflegen. Als eines der aufregendsten Projekte ihres Arbeitslebens nennt sie folgerichtig ihre in Buchform erschienene Fotoreportage „In search of Ian Curtis“ über Orte und Menschen, die der Joy Division-Sänger nach seinem Suizid zurückließ. Ein weiterer Meilenstein ihrer fotografischen Arbeit ist für sie eine Bild-Reportage über analoge Synthesizer, aus der ihre erste Ausstellung entstand. Inspiriert davon gründete sie ihre eigene Partyreihe „Kann denn Liebe Synthie sein?“, die seit sieben Jahren läuft.

Analog oder digital?

In jedem Fall: „Einfach machen!“ Da sich Katja schon so lange in der Musikbranche bewegt (ihre ersten Fotos von Live-Konzerten machte sie 1989), kann sie die Entwicklungen bis heute sehr genau wahrnehmen. Sie beschreibt die Stimmung vor der Digitalisierung als offener, entspannter und weniger kontrolliert. Denn: „Da war Kohle da.“ 

Für sie als Fotografin haben sich neue Herausforderungen ergeben und sie findet nicht, dass die digitale Fotografie unbedingt eine große Erleichterung bedeutet. Sie arbeitet (ohne Fotolabor im Hintergrund) viel mehr alleine als früher und hat zahlreiche Aufgaben zu bewältigen. Trotz digitaler Möglichkeiten hat sie einen anderen Anspruch an ihre Bilder: „Ich versuche, ein Bild so gut wie möglich zu fotografieren und so wenig wie möglich nachzubearbeiten.“

Spannend findet Katja zurzeit, dass auch Major-Labels Vinyl-Editionen und eigene Print-Kataloge veröffentlichen und dass sich kleine Labels auf Plattformen wie Bandcamp präsentieren können. „Man hat viele Chancen als Künstler selbst zu agieren. Das finde ich aufregend und cooler.“ Selbst zu agieren, ist immer auch Katjas eigener Antrieb gewesen. „Einfach machen, das ist mein Credo. Ich habe mich immer wieder ausprobiert und mich gefragt, wofür schlägt mein Herz?“ Sie habe sich vieles von ihren Vorbildern (Herb Ritts!) abgeguckt, Bücher gelesen und recherchiert, wie sie gearbeitet haben.

„Wie Musiker, die zusammen ins Studio gehen“

Ein Shooting beschreibt Katja als Zusammenarbeit mit dem jeweiligen Künstler, den oder die sie porträtiert. Ein perfektes Foto entstehe aus der gemeinsamen Energie. Sie bespricht vorab, was er oder sie sich vorstellt und welche Geschichte mit dem Bild erzählt werden soll. Es sei wichtig, sich vorher abzustimmen, erklärt sie, doch ebenso wichtig sei es, die Tür aufzulassen, für das, was an dem Tag passiere. „Das ist wie bei Musikern, die zusammen ins Studio gehen und einfach jammen. Da entstehen die schönsten und kreativsten Sachen.“

Wie will ich als Musiker*in visuell wirken?

Im Gegensatz zu amerikanischen Künstlern, hinter denen ein professionelles Management steht, seien deutsche Musiker oft allein unterwegs. Katja findet es wichtig, sich schon am Anfang der musikalischen Karriere professionell beraten zu lassen. Gerade im Hinblick auf den visuellen Auftritt sei das heute wichtiger denn je. „Musik und Bild verschmelzen heute noch viel mehr miteinander als früher“, sagt Katja. Es gehe nicht mehr nur um die Musik, sondern um Eyecatcher, die Bildsprache und den Content drumherum.

Sowohl für die sozialen Medien als auch für die PR-Arbeit werden ständig neue Bilder gebraucht. Dabei sind gute Pressebilder wichtig, d.h. Fotos, die eine Aussagekraft haben und sowohl die Follower als auch die Redaktionen anteasern. Deshalb rät Katja Musikern, sich vorab zu überlegen, wo es für sie künstlerisch hingehen soll, wie sie wirken wollen und an der Aussage ihrer Bilder zu arbeiten. Neben einer guten Qualität sei schon mit kleinen Ideen viel gewonnen: ein besonderes Styling, die passende Perspektive, eine spannende Location oder außergewöhnliche Tools. Katja meint: „Künstler*innen, seid mutiger! Geht Kooperationen ein! Du kannst mit wenig soviel machen.“

Ladyflash, Female Empowerment & #metoo

„Dass Frauen in der Musikbranche nicht sichtbar sind, hat mich schon immer genervt“, sagt Katja. Schon früh hatte sie die Idee zu ihrer Ausstellung „Ladyflash“. Doch erst im Zuge der sich zuspitzenden Debatte um die Geschlechterverhältnisse wurde diese 2017/2018 in Kooperation mit dem Reeperbahnfestival realisiert. Die Ausstellung zeigt die Musikerinnen, die Katja in ihrer bisherigen Laufbahn porträtiert hat: „Ich wollte einfach die tollen, spannenden, innovativen, aussagekräftigen, selbstagierenden Frauen in der Musik zeigen und zwar einmal geballt.“ Katja wünscht sich, dass mehr Frauen in der Musikbranche agieren. Sie findet den Support untereinander wichtig, d.h. sich liebevoll miteinander zu verbünden. Um ein konstruktives Miteinander geht es ihr auch im Hinblick auf die #metoo-Debatte. Ihr Tipp an alle beginnenden Musiker*innen und Musikschaffenden: „Netzwerken, rausgehen, Leute treffen und vor allem: knallhart dranbleiben.“

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