„Es ist ganz wichtig, dass man immer versucht, flexibel zu bleiben.“

Es fing mit einer Lebenskrise an, es folgte ein Konzert und die Entscheidung, die Schauspielerei an den Nagel zu hängen. Désirée Vach brach ihre Zelte in Braunschweig ab und kehrte zurück nach Berlin, um ein Praktikum bei dem Musiklabel Kitty-Jo machen zu können.
Das ist nun 16 Jahre her. Seitdem ist eine Menge passiert. Von Kitty-Jo ging es weiter zu Weekender Records, bis sie auf das Duo Zoot Women traf, das wiederum ein Musiklabel suchte. Kurzerhand gründete Désirée „Snowite Records“, um der Band ein Zuhause geben zu können. Sie wusste zwar wie man ein Musiklabel führt, aber nicht wie man eines gründet. „Wie ich ein Gewerbe anmelde, das wusste ich natürlich nicht, hab’s aber dann einfach probiert, hab mich reingelesen. Es gibt ja Google“, erinnert sie sich.

Bei der Suche nach einem Vertrieb und einem Presswerk ging sie nach dem Trial & Error Prinzip vor. Sie arbeitete zunächst mit einem Major Label zusammen, merkte aber sehr schnell, dass es nicht ihren Bedürfnissen entsprach. Sie wechselte den Vertrieb und kam zu Rough Trade, denn hier passte es nicht nur zwischenmenschlich. Auch der VÖ-Plan stimmte. „Ich wusste welche Alben ich veröffentlichen wollte und hatte Verträge mit den Künstlern“, erzählt Désirée. Ähnlich wie in der Zusammenarbeit mit dem Presswerk oder dem Vertrieb, muss auch die Chemie zum Musiker selbst stimmen. „Das ist wohl ein Charakteristikum der unabhängigen, also der Independent-Labels“, meint Désirée. „Wenn wir einen Künstler signen, dann wollen wir eine langfristige Beziehung eingehen und dann muss es einfach stimmen“. Zu dieser Art von Bindung zählt für sie auch absolute Offenheit. „Mir bei Snowhite Records ist es immer ganz wichtig, das transparent gearbeitet wird. Jeder Praktikant soll das Recht haben auf z.B. die Kontoauszüge zu gucken. Nur so bekommt er ein Gefühl dafür, was ein Musiklabel einnimmt. So handhaben wir es übrigens auch mit den Künstlern“, erklärt sie „denn nur so kann das Geschäft realistisch eingeschätzt werden“. Auch erzählt sie, dass sie nach dem alten Punkrockdeal abrechnet: „Alle Einnahmen werden in einem Topf geschmissen, bis die Ausgaben wieder eingespielt worden sind und dann wird 50/50 geteilt.“

Dadurch, dass Désirée anfing in der Musikbranche zu arbeiten, als gerade alles den Bach herunterging, hat sie Kollegen, Musiker und auch Musiklabels verschwinden sehen, dennoch „war es interessant zu sehen, wie die unterschiedlichen Musiker und Labels damit umgehen“, erinnert sie sich. Sie selbst z.B. lernte möglichst viel aus einem kleinen Budget herauszuholen. „Das hat mich von Anfang an geprägt und deswegen hab ich nie große Spinnereien gehabt, sondern war immer sehr realistisch.“ Sie erzählt, dass jede Release eine Herausforderung ist – ob nun mit oder ohne Budget. Es darf nicht aus dem Blick geraten, wie der Markt und die Medien auf neue Musik reagieren. Häufig ändert sich der Weg im Gehen. „Es ist ganz wichtig, dass man immer versucht, flexibel zu sein“, meint Désirée.

Wir kommen auf Streaming zu sprechen. Eine Veränderung, mit der sich aus Désirées Sicht vor allem die Independentlabels schwer getan haben. „Oft ist es so, wenn irgendetwas neues passiert, dann motzen immer erst alle und stemmen sich dagegen und dann plötzlich sehen sie, wie gut doch die Veränderung ist und dann gehen sie alle mit dem Flow“, erklärt sie. Désirée sieht Gutes im Streaming, denn „erst 8% der Deutschen nutzen einen „Subscribtion“ Service von Streamingdiensten. Wenn man mal hochrechnet, wie sich das in den nächsten Jahren entwickeln kann und was das auch für Chancen für Labels und für Künstler bietet, sehe ich die Zukunft sehr, sehr positiv. Der Musikmarkt ist jetzt das vierte Mal in Folge gewachsen“, meint sie. Bei Snowhite Records z.B. ist die Pressauflage durch Streaming nur marginal gesunken. „Bei einer Band wie Zoot Woman z.B., da kaufen die Fans, die das Album vor fünf oder 10 Jahren gekauft haben, jetzt immer noch CDs“, meint Désirée.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass Snowhite Records im Gehen entstanden ist, denn Désirée hat einfach losgelegt und gemacht. Man merkt, dass sie das liebt, was sie macht. Désirée hat für alle, die mit einem eigenen Musiklabel liebäugeln, zwei Ratschläge: „Wende dich bei Fragen an den Verband unabhängiger Musikunternehmen e.V. (kurz: VUT) in Berlin und sei Mitglied bei der Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten (kurz: GVL).“

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Fotocredits von oben nach unten:
© Anke Peters
© Frederic Schweizer

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