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Notion für Musikerinnen*: Warum Chaos oft nur ein nicht dokumentierter Prozess ist
Imke Machura, Gründerin von RAKETEREI

© Imke Machura
Du machst Musik. Du planst ein Release, parallel läuft dein Booking, dazu Social Media und vielleicht ein Förderantrag. Irgendwann wächst dir alles über den Kopf, obwohl du eigentlich nichts falsch machst. Viele Musikerinnen* denken dann: »Ich bin eben kreativ, ich kann nicht strukturiert arbeiten.« Aber das stimmt nicht: Das Problem ist selten fehlende Disziplin, sondern ein fehlendes System. Deshalb erkläre ich dir in diesem Blogartikel, warum Struktur kein Korsett, sondern ein Container ist, wie du mit Notion als Musikerin* ein großes Projekt in machbare Schritte zerlegst und warum gute Selbstorganisation am Ende mehr kreative Freiheit bedeutet.
Warum fühlt sich Struktur für kreative Musikerinnen* so eng an?
Sobald es um Projektorganisation geht, taucht bei vielen kreativen Menschen sofort ein Gefühl von Enge auf. Struktur klingt nach Kontrolle, nach Korsett, nach Verlust von Leichtigkeit. In meinem Podcast-Gespräch mit Notion-Expertin Tatjana Kiefler haben wir genau hier angesetzt, denn der Satz »Ich bin kreativ, ich kann nicht strukturiert arbeiten« begegnet ihr ständig.
Und doch zeigt sich in der Zusammenarbeit fast immer das Gegenteil. Das Problem ist nicht die Struktur an sich. Das Problem sind Strukturen, die du irgendwann ausprobiert hast und die einfach nicht zu dir passen. Ein fremdes System, in das du dich hineinzwängst, engt dich ein. Ein System, das du dir selbst baust, tut das Gegenteil.
Dazu kommt die andere Seite: Wer alles im Kopf jongliert, fühlt sich nicht frei, sondern überlastet. Tatjana spricht von »Äffchen«, die auf der Schulter hängen, und jedes kleine Äffchen zerrt an dir. Genau dieses ständige Mitdenken kostet die Energie, die dir für deine Musik fehlt. Tools wie Trello oder Asana stoßen hier schnell an Grenzen, weil sie dich in eine vorgegebene Ansicht zwingen, statt sich an dich anzupassen.
Was heißt es, dass Chaos oft nur ein nicht dokumentierter Prozess ist?
Der Gedanke, der dieser Folge ihren Titel gibt, stammt aus genau dieser Haltung: Was sich wie Chaos anfühlt, ist meistens kein Charakterfehler und kein Mangel an Talent. Es ist ein Prozess, den du längst hast, den aber niemand aufgeschrieben hat.
Solange ein Ablauf nur in deinem Kopf existiert, musst du ihn jedes Mal neu erfinden. Du triffst dieselben Entscheidungen wieder und wieder, du suchst dieselben Infos zusammen, du vergisst Schritte. Sobald du diesen Prozess einmal dokumentierst, wird aus Chaos ein Container: ein fester Ort, an dem alles liegt, was deinen Kopf füllt und deine Aufmerksamkeit braucht.
Ich sage es in der Folge sehr klar: Das sind keine Probleme. Das sind nicht dokumentierte Prozesse. Genau das ist der Unterschied zwischen »Ich bin nicht organisiert« und »Ich habe meinen Ablauf noch nicht sichtbar gemacht«. Struktur ist in diesem Sinn kein Korsett, sondern Klarheit, und Klarheit reduziert die Entscheidungsmüdigkeit, die dich im Alltag bremst.
Wie zerlege ich ein großes Projekt wie ein Release mit Notion in machbare Schritte?
Ein Record Release zieht sich über ein Jahr bis anderthalb Jahre. Wenn du es als ein einziges, riesiges Projekt vor dir siehst, lähmt es dich. Die Lösung ist, es so weit herunterzubrechen, dass du von Woche zu Woche weißt, welche drei Aufgaben gerade Fokus haben.
Ein paar Prinzipien, die Tatjana und ich im Gespräch teilen:
- Definiere Start- und Endpunkte. Ohne klares Ende wird ein Projekt nie fertig. Ein Termin ist ein Commitment, auch wenn du ihn mal verschiebst.
- Plane nicht mehr als sechs Fokus-Stunden pro Tag. Kein Arbeitstag besteht aus acht reinen Produktivstunden. Wer sich acht Stunden vornimmt, plant sich systematisch ins Gefühl zu scheitern.
- Plane deine freie Zeit aktiv mit ein. Es darf Tage geben, an denen bewusst keine To-dos aufpoppen. Niemand von uns muss sieben Tage die Woche durcharbeiten.
- Bau dir eine »Schatztruhe« für spontane Ideen. So ist nichts weg, ohne dass es sofort deinen Fokus sprengt.
Das Schöne an Notion ist, dass es zwei Welten verheiratet: Seiten (wie ein Dokument) und Datenbanken (wie eine Tabelle, die du auch als Kalender sehen kannst). In der RAKETEREI-Community bauen die Künstlerinnen* damit zum Beispiel Booking-Datenbanken, in denen Clubs, Status, Gage und Notizen zur Veranstalterin* liegen. Verknüpfst du diese Datenbank mit deinem Google Kalender, poppt am richtigen Tag automatisch die Aufgabe »heute Club XY anrufen und nachfassen« auf. So wird aus einem unüberschaubaren Berg eine Reihe machbarer Häppchen, und jede erledigte Woche bringt dich spürbar weiter.
Wie wird aus Selbstorganisation echte kreative Freiheit?
Der wichtigste Gedanke kommt zum Schluss: Gute Organisation ist kein Gegenteil von Kreativität, sie ist ihre Voraussetzung. Wenn dein Workflow festgelegt ist, musst du nicht mehr überlegen, was als Nächstes dran ist. Diese frei gewordene mentale Kapazität fließt in deine Musik, in deinen Content, in deine Entscheidungen.
Wenn du mit Notion startest, fang klein an. Du musst nicht mit der perfekten Struktur beginnen, du musst überhaupt erst beginnen:
- Starte mit deinen Aufgaben. Jede von uns hat Aufgaben im Kopf, das ist der natürliche erste Schritt.
- Hol dir ein Template statt zehn. Lade dir nicht zwanzig Vorlagen herunter, sondern eine, die zu deinem Tagesgeschäft passt, und lass dein System mit dir mitwachsen.
- Gib dem Tool zwei Anläufe. Notion überfordert beim ersten Öffnen fast jede Musikerin*. Ein gutes Tutorial oder ein Blick darauf, wie eine Kollegin* es nutzt, macht oft den Unterschied.
Am Ende ist diese Art von Selbstorganisation auch Selbstfürsorge. Denn als Musikerin* bist du Unternehmerin*, und ein System, das deinen Kopf leert und dir freie Zeit zurückgibt, schützt genau die Energie, aus der deine Musik entsteht.
Höre dir jetzt meine Podcastfolge an!
Möchtest du noch tiefer in das Thema eintauchen? In meiner Podcastfolge #199 Warum ist Chaos oft nur ein nicht dokumentierter Prozess? Im Interview mit Tatjana Kiefler zeige ich dir gemeinsam mit Notion-Expertin Tatjana Kiefler, wie du Projektorganisation als Freiheitsinstrument nutzt. Höre gleich rein!
In dieser Podcastfolge lernst du:
- … Struktur ist kein Korsett, sondern ein Container: Das Problem ist nie die Struktur an sich, sondern Systeme, die nicht zu dir passen. Notion lässt sich so bauen, dass es zu deinem Tagesgeschäft passt.
- … Ein riesiges Projekt wird machbar, wenn du es zerlegst: Definiere klare Start- und Endpunkte und plane nicht mehr als sechs Fokus-Stunden pro Tag, sonst planst du dich systematisch ins Gefühl zu scheitern.
- … Du musst nicht mit der perfekten Struktur starten: Fang mit deinen Aufgaben an, hol dir ein Template statt zehn, und lass dein System mit dir mitwachsen.
Hier geht es zu Podcastfolge #199
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Über die Autorin
Ich bin Imke und war als Bookerin sowie Promoterin und bin als Produkt- und Labelmanagerin seit mehr als einem Jahrzehnt Teil der Musikbranche. 2017 gründete ich dann RAKETEREI.
RAKETEREI ist die beliebteste Musikerinnen-Community im deutschsprachigen Raum. Als Mentorin, Ideengeberin und Partnerin in Crime unterstütze ich die Künstlerinnen dabei, sich eine profitable musikalische Karriere aufzubauen, in dem wir uns mit Themen rund um Künstlerinnen-Identität finden sowie schärfen, individuelle Arbeits- und Selbstvermarktungsstruktur, Positionierung im Musikmarkt, Reichweitenaufbau und Wachstum auseinandersetzen.
Ziel ist es den Musikerinnen mit einem unternehmerischen Mindset auszustatten, damit sie sich erfolgreich am Musikmarkt positionieren können. RAKETEREI ist die Räuberleiter für Musikerinnen in die Musikbranche.

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