Podcast
Keine Zeit für deine Musik? Warum das nichts mit Disziplin zu tun hat
Imke Machura, Gründerin von RAKETEREI

© Imke Machura
Du willst deine eigene Musik veröffentlichen. Du willst Konzerte spielen, Songs schreiben, endlich diesen einen Release angehen, den du seit Monaten vor dir herschiebst. Und trotzdem passiert: wenig. Die Woche vergeht, der Unterricht läuft, die Mails sind beantwortet und am Sonntagabend ist deine Musik wieder das, was »eigentlich« hätte passieren sollen. Insgeheim hältst du dich für undiszipliniert. Aber liegt das wirklich an deiner Motivation? Nein. Deshalb erkläre ich dir in diesem Blogartikel, warum deine Musik nicht an fehlender Motivation scheitert, sondern an fehlender Struktur, welche drei Werkzeuge deiner Musik einen festen Platz in deinem Alltag geben und warum klassische Struktur-Tipps bei neurodivergenten Musikerinnen oft nicht funktionieren.*
Warum bleibt meine eigene Musik im Alltag ständig liegen?
Weil sie das ist, was dazwischen passieren soll. Zwischen Unterricht, Brotjob, Care-Arbeit und Mails. Sie ist das, was du machst, wenn mal Zeit ist. Und genau diese Zeit kommt nicht. Sie kommt nie, weil sie in deinem Alltag keine Priorität hat.
Das hat nichts mit Faulheit zu tun. Die Musikerinnen*, mit denen ich arbeite, sind alles andere als antriebslos. Sie wollen mit ihrer Musik Geld verdienen, auf die Bühne und veröffentlichen. Das Problem liegt woanders: Ihr Alltag ist unstrukturiert. Das sieht konkret so aus:
- Aufgaben werden angefangen, aber nicht abgeschlossen.
- Prioritäten wechseln ständig.
- Termine, Dateien und Notizen sind schwer wiederzufinden.
- Es gibt viele Ideen, aber keinen klaren Ablauf.
- Unterrichtet wird, wann es den Schüler:innen passt und die eigene Musik fällt hinten runter.
Solange deine Musik keinen festen Ort in deiner Woche hat, bleibt sie Verhandlungsmasse. Und gegen einen vollen Kalender verliert sie jedes Mal. Das ist kein Fleiß-Problem. Es ist ein Struktur-Problem und genau deshalb löst du es nicht damit, dass du noch mehr arbeitest.
Liegt es an meiner Motivation oder an meiner Struktur?
An deiner Struktur. Fast immer. Das ist die unbequeme Antwort und gleichzeitig die befreiende.
Denn Zeit ist nichts, das du übrig hast. Ich habe nie Zeit übrig, niemand hat das. Zeit musst du dir aktiv nehmen, wenn du nicht im Status quo stehen bleiben, sondern wirklich Musik veröffentlichen willst.
Hier wird es ehrlich: Ich kenne viele Musikerinnen*, die mit ihrer fehlenden Struktur regelrecht kokettieren. Sie sagen Sätze wie »Ich bin eben unorganisiert.« oder »Technik liegt mir nicht.« Das fühlt sich harmlos an, aber es ist genau der Punkt, an dem Karrieren stehen bleiben. Wenn du mit deiner Musik Geld verdienen willst, darfst du dich und dein Tun ernst nehmen. Und dazu gehört, dass du dich strukturierst.
Was es nicht ist: ein Motivationsproblem. Du brauchst keine bessere Stimmung. Du brauchst eine bessere Reihenfolge.
Wie schaffe ich es, dass Musik Teil meines Alltags wird?
Mit drei Werkzeugen, mit denen du ab morgen anfangen kannst. Allein. Genau diese baue ich auch mit den Musikerinnen* im Record Release Mentoring auf.
- Clustere deine Aufgaben. Bündele gleichartige Aufgaben auf einen Tag, statt sie über die Woche zu verteilen.
- Setze dir Ziele mit Meilensteinen. Ein Ziel ohne Meilensteine ist eine Hoffnung, ein Ziel mit Meilensteinen ist eine Strecke.
- Arbeite mit einem externen Gedächtnis wie Notion. Hol das, was in deinem Kopf wohnt, aus deinem Kopf raus.
Schauen wir genauer hin. Beim Clustern sehe ich immer wieder Musikerinnen*, die ihre Schüler:innen über die ganze Woche verteilt unterrichten: Montag drei, Dienstag zwei, Mittwoch vier. Das fühlt sich gleichmäßig an, zerschneidet aber die Woche so, dass kein einziger Tag für die eigene Musik übrig bleibt. Mein Ansatz: alle Schüler:innen auf einen Tag. Ein anderer Tag wird Content-Tag, ein dritter Tag gehört dem Studio und dem Songwriting. So entsteht eine Woche, die deiner Musik schon morgens einen Platz gibt, nicht zwischen Tür und Angel. Das ist kein Produktivitäts-Trick, das ist eine Priorisierungs-Entscheidung.
Beim Thema Meilensteine höre ich auf die Frage »Was möchtest du dieses Jahr veröffentlichen?« oft: »Eine EP. Vielleicht eine Single vorher. Mal sehen.« Das ist kein Ziel, das ist ein Wunsch. Ein Ziel hat ein Datum, Stationen davor und eine klare Reihenfolge, in der die Bausteine fallen müssen wie Dominosteine. Zum Beispiel: Bis zum 15.09. ist der Mix fertig, bis zum 01.11. steht das Cover, bis zum 15.11. läuft die Pre-Save-Kampagne, Release am 30.01. Ohne diese Meilensteine verschiebst du das Ziel immer weiter nach hinten oder wachst im Oktober auf und merkst, dass du seit März nicht mehr daran gearbeitet hast. Das ist kein Versagen, das ist fehlende Struktur.
Und Notion meint nicht: Lade dir die App runter und freu dich über hübsche Templates. Es meint: Solange deine Aufgaben, Releasepläne und Ideen nur in deinem Kopf leben, kannst du sie nicht steuern, du kannst sie nur tragen. Und das macht dich müde, lange bevor du irgendetwas tust. Ein externes Gedächtnis ist der Ort, an dem deine Wochenstruktur liegt, deine Meilensteine sichtbar sind und dein nächster Schritt schon wartet, statt jeden Morgen neu gedacht zu werden. Was im Kopf lebt, kann kein Prozess werden, es bleibt Improvisation.
Deine Aufgabe ist es, diese drei Werkzeuge auf dich zu übertragen und so zu gestalten, dass sie für dich funktionieren.
Warum scheitern klassische Struktur-Tipps bei ADHS und Hochsensibilität?
Weil unter Musiker:innen sehr viele neurodivergente Menschen sind und weil viele von ihnen mit Struktur, die von außen aufgesetzt wird, schlicht nicht funktionieren. »Unstrukturiert« heißt hier oft nicht »chaotisch« oder »unwillig«, sondern dass das Gehirn Informationen, Reize, Prioritäten und Zeit anders verarbeitet.
Bei ADHS zum Beispiel ist genau das schwierig, worauf klassische Tipps bauen:
- Priorisierung und Zeiteinschätzung
- der Aufgabenbeginn
- Routinen und Reizfilterung
- das Arbeitsgedächtnis
Von außen wirkt das schnell wie fehlende Disziplin. Tatsächlich steckt dahinter ein hoher innerer Aufwand, weil permanent über alles gleichzeitig nachgedacht wird. Deshalb brauchen viele neurodivergente Musikerinnen* keine strengere Struktur, sondern eine andere: individuell angepasste Systeme, sichtbare statt abstrakte Organisation, wenig Reibung, Routinen mit Flexibilität und visuelle Anker. Die Frage ist also nicht nur, wie Musik Teil deines Alltags wird, sondern auch: Welche Form von Struktur funktioniert mit meinem Gehirn?
Genau hier beginnt Unternehmerinnentum. Es unterscheidet die Musikerin*, die mit ihrer Musik Geld verdient, von der, die es nicht tut: die aktive Lösungssuche statt »Das ist eben so«. Und Struktur hat dabei zwei Aufgaben gleichzeitig. Sie hält deinen Alltag aufrecht, also Unterricht, Rechnungen, Mails. Und sie bringt dein Unternehmen voran, also neue Songs, ein geplanter Release, Pressearbeit, Kennenlerncalls mit Veranstalter:innen. Wer nur das Erste bedient, läuft im Kreis. Wer nur das Zweite versucht, kippt um. Du brauchst beides, verbunden.
Und dann passiert etwas, das ich immer wieder beobachte: Am Anfang ist die eigene Musik etwas, das noch reinpasst. Nach ein paar Monaten ist sie Teil des Alltags. Nach einem Jahr ist sie nicht mehr das »noch dazu«, sondern der Alltag, an den sich alles andere anpasst. Deine Musik wird nicht in die Lücken passen, die dein Alltag zufällig lässt. Sie muss der Alltag werden.
Höre dir jetzt meine Podcastfolge an!
Möchtest du noch tiefer in das Thema eintauchen? In meiner Podcastfolge #200 Wie schaffe ich es, dass Musik Teil meines Alltags wird? zerlege ich den teuersten Irrtum über Zeit und zeige dir Schritt für Schritt die drei Werkzeuge, mit denen deine Musik endlich einen festen Platz in deiner Woche bekommt. Höre gleich rein!
In dieser Podcastfolge lernst du:
- Zeit ist nichts, das du übrig hast: du musst sie dir aktiv nehmen, sonst bleibt deine Musik das, was »irgendwann« passiert und irgendwann kommt nie.
- Das ist keine Motivationsfrage, sondern eine Strukturfrage: du brauchst keine bessere Stimmung, sondern eine bessere Reihenfolge — Aufgaben clustern, Meilensteine setzen, dein Wissen aus dem Kopf holen.
- Deine Musik passt nicht in die Lücken, die dein Alltag zufällig lässt: sie muss zum Alltag werden, an den sich alles andere anpasst, sonst bleibt sie ein Hobby im Schatten.
Hier geht es zu Podcastfolge #200
Empfehlungen für dich

»Wenn die Musik gut ist, verkauft sie sich« — der teuerste Glaubenssatz in der Musikbranche
Warum verkauft sich deine Musik nicht? Weil du den Umsatzkreislauf nicht schließt. Imke erklärt, warum »Wenn es gut ist, verkauft es sich« der teuerste Glaubenssatz in der Musikbranche ist und welche 4 Stationen du brauchst, damit deine Musik dich finanziell trägt.

Warum Ungeduld deine Karriere als Musikerin* sabotiert
Du hast ein Angebot gelauncht, dein Patreon-Kanal läuft – und am Ende steht nur ein Plus von 80 €? Viele Musikerinnen* zweifeln genau in diesem Moment, weil sie sofortigen Erfolg erwarten. In meiner Podcastfolge erkläre ich, warum kleine Erfolge ein Riesenschritt sind, wie Bootstrapping funktioniert und warum Geduld beim Aufbau deines Musik-Business entscheidend ist.

Was wirklich Einfluss auf Erfolg nimmt und was einfach nur laut ist
Warum können manche Musikerinnen* von ihrer Musik leben und andere nicht? Talent ist es nicht. Auch Reichweite nicht. In dieser Podcastfolge spreche ich darüber, welche Faktoren wirklich Einfluss auf deinen Erfolg haben. Entscheidungen statt Warten, Struktur statt Dauerstress, Beziehungen statt Follower:innen-Zahlen. Eine ehrliche Folge für Musikerinnen*, die ihre Karriere ernst nehmen wollen.
Über die Autorin
Ich bin Imke und war als Bookerin sowie Promoterin und bin als Produkt- und Labelmanagerin seit mehr als einem Jahrzehnt Teil der Musikbranche. 2017 gründete ich dann RAKETEREI.
RAKETEREI ist die beliebteste Musikerinnen-Community im deutschsprachigen Raum. Als Mentorin, Ideengeberin und Partnerin in Crime unterstütze ich die Künstlerinnen dabei, sich eine profitable musikalische Karriere aufzubauen, in dem wir uns mit Themen rund um Künstlerinnen-Identität finden sowie schärfen, individuelle Arbeits- und Selbstvermarktungsstruktur, Positionierung im Musikmarkt, Reichweitenaufbau und Wachstum auseinandersetzen.
Ziel ist es den Musikerinnen mit einem unternehmerischen Mindset auszustatten, damit sie sich erfolgreich am Musikmarkt positionieren können. RAKETEREI ist die Räuberleiter für Musikerinnen in die Musikbranche.

Meine Mission
Als Mentorin, Ideengeberin und Partnerin in Crime unterstütze ich dich dabei, eine unabhängige und profitable Karriere in der Musikbranche aufzubauen. RAKETEREI ist deine Räuberleiter in die Musikbranche.
Schreib mir
hallo@raketerei.com
Datenschutz | Impressum | AGB
Alle Rechte vorbehalten




