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Red Flags in PR-Mails: Wie du eine schlechte PR-Agentur schon vor Vertragsabschluss erkennst
Imke Machura, Gründerin von RAKETEREI

© Imke Machura
Du machst dich auf die Suche nach einer PR-Agentur für deinen Release. Du schreibst eine Anfrage und bekommst eine Antwort zurück, die scheinbar professionell klingt. Aber etwas daran fühlt sich falsch an. Ist das normal? Bist du zu empfindlich? Nein. Die Art, wie jemand absagt, verrät oft mehr über die spätere Zusammenarbeit als das Angebot selbst. Deshalb erkläre ich dir in diesem Blogartikel, warum eine »professionelle« Absage trotzdem eine Red Flag sein kann, welche 5 Warnsignale du in PR-, Promoter- und Label-Mails erkennen kannst und warum du Situationen wie diese schon vor Vertragsabschluss sauber einordnen solltest.
Was macht eine PR-Absage eigentlich so verunsichernd?
Du bekommst eine Mail zurück. Sie beginnt höflich, sie klingt fachlich, sie scheint eine klare Einordnung zu liefern. Und trotzdem fühlt sich beim Lesen etwas nicht gut an.
Dieses Gefühl ist kein Zufall. Es ist eine Wahrnehmung.
Die meisten Musikerinnen, die so eine Mail bekommen, machen in diesem Moment denselben Fehler: Sie zweifeln an sich selbst, nicht an der Mail. Die drei Fragen, die ich dann in meinen Kennenlerncalls höre:
- »Ist das normal?«
- »Bin ich zu empfindlich?«
- »Oder fühlt sich das nur für mich so falsch an?«
Ich sage dir ganz klar: Nein. Das bildest du dir nicht ein. Die Art, wie jemand absagt, ist kein Zufallsprodukt. Sie zeigt, wie diese Person auf Künstlerinnen schaut. Und genau das ist der Punkt, an dem ich mit meinen Musikerinnen hinschaue, bevor wir überhaupt über eine Zusammenarbeit entscheiden.
Warum verrät die Art einer Absage mehr als das Angebot selbst?
Mich interessiert in solchen Momenten nicht zuerst, was jemand entscheidet. Mich interessiert, wie jemand entscheidet.
Denn an der Art, wie dir jemand absagt, erkennst du oft schon sehr genau, wie die Zusammenarbeit geworden wäre. Das ist für mich keine Kleinigkeit. Das ist Diagnostik.
Eine PR-Agentur darf sagen: »Das passt für mich nicht.« Sie darf sagen: »Ich bin ausgebucht.« Sie darf sagen: »Das Projekt liegt nicht in meinem Schwerpunkt.« All das ist vollkommen okay. Gute Kommunikation trennt sehr sauber zwischen fachlicher Grenze und persönlicher Abwertung.
Wenn aber statt Abgrenzung Überlegenheit spricht, statt Orientierung Belehrung, dann ist das nicht einfach unangenehm. Das ist ein Alarmsignal. Denn Zusammenarbeit auf dieser Basis wird fast nie gut. Wer schon in der ersten Mail Belehrung statt Klarheit liefert, wird später sehr wahrscheinlich auch nicht in echter Partnerschaft arbeiten.
Welche 5 Red Flags kannst du in PR-Mails erkennen?
Ich nehme dich hier einmal durch die fünf Marker, die mir in solchen Mails immer wieder auffallen. Es sind die Punkte, an denen ich im Gespräch mit einer Musikerin sage: Stopp. Hier müssen wir genauer hinschauen.
1. Sie kennt dich nicht, aber urteilt maximal.
Der Name ist falsch geschrieben. Das Projekt wurde offensichtlich nicht gelesen. Und trotzdem kommt eine eindeutige Einschätzung. Das wirkt vielleicht kleinlich, ist es aber nicht. Wer nicht einmal sauber nachvollziehen kann, mit wem er da spricht, hat sich keine Mühe gemacht, diese Person wirklich anzuschauen. Das ist kein Flüchtigkeitsfehler. Das ist ein Signal.
2. Die Mail ist nicht orientierend, sondern belehrend.
Statt »Ich teile eine Einschätzung« klingt es nach »Ich erkläre dir jetzt, warum dein Weg aussichtslos ist«. Hier spricht keine Abgrenzung, hier spricht Überlegenheit. Und das ist immer ein Alarmsignal, weil Zusammenarbeit auf dieser Basis fast nie gut wird.
3. Es gibt nur einen legitimen Weg.
»So muss man das machen.« »Ohne Label hat das keinen Sinn.« »Anders ist es aussichtslos.« Absolutheitsanspruch statt Perspektive. Es wird gar nicht gefragt, was dein Ziel ist, wo du stehst, welche Art von Karriere du aufbauen willst. Da wird ein Standardmodell über dein Projekt gestülpt.
4. Es fehlt jede Form von Spiegelung.
Kein Satz zeigt: »Ich habe verstanden, was du vorhast.« Kein Satz zeigt: »Ich habe erfasst, worum es in deinem Projekt geht.« Stattdessen sofort Einordnung, Bewertung, Ausschluss. Wenn dir jemand nicht zeigen kann, dass er dich verstanden hat, ist diese Person nicht die Richtige, um deine Arbeit nach außen zu vertreten.
5. Die fachliche Grenze wird schlecht kommuniziert.
Statt »Das ist nicht mein Arbeitsfeld« wird dein Projekt indirekt entwertet. Statt »Ich bin nicht der Richtige« wird signalisiert: »Dieser Weg ist grundsätzlich falsch.« Das eine schafft Orientierung. Das andere produziert Verunsicherung. Und genau in diesem Unterschied liegt die eigentliche Red Flag.
Warum ist es so wichtig, diese Muster vor Vertragsabschluss zu erkennen?
Weil eine Zusammenarbeit, die schlecht startet, selten plötzlich gut wird. Die Dynamik, die du schon im Kennenlern-Moment spürst, bleibt meistens so. Wenn du in der ersten Mail das Gefühl hast, dass du falsch liegst, wirst du dieses Gefühl auch im laufenden Projekt haben. Und wenn du schon im Kennenlernen das Gefühl hast, dass du störst, ist die Zusammenarbeit keine Option.
Das kostet Musikerinnen Zeit, weil sie Monate mit einer Agentur verbringen, die sie nicht versteht. Das kostet Geld, weil sie für eine Zusammenarbeit zahlen, die keine Ergebnisse liefert. Und das kostet Projekte, weil gute Musik, die schlecht kommuniziert wird, keine Wirkung entfalten kann.
Eine professionelle Absage, die dich verunsichert, ist also kein privates Problem. Sie ist ein strukturelles Signal. Und je früher du es erkennen lernst, desto besser schützt du deine Karriere vor Kooperationen, die dich Zeit, Energie und Deutungshoheit kosten.
Was kannst du tun, wenn dich eine PR-Mail verunsichert?
Der erste Impuls nach so einer Mail ist oft: sich selbst infrage zu stellen. Ist mein Projekt tragfähig? Bin ich erst noch »richtig genug«, um ernst genommen zu werden?
Stopp.
Genau an dieser Stelle arbeite ich in meinen Sessions mit der Musikerin daran, die Deutung zurückzuholen. Nicht den Inhalt der Mail, sondern die Struktur darunter lesen. Schauen, wo nicht verstanden, wo pauschalisiert und wo Autorität benutzt wurde, um Unsicherheit zu erzeugen.
Erst dann sortieren wir. Nicht, um uns zu empören. Sondern um wieder entscheidungsfähig zu werden.
Denn eine Absage ist kein Problem. Das eigentliche Problem ist, dass viele Musikerinnen anfangen, aus solchen Mails Wahrheiten über sich selbst und ihre Arbeit abzuleiten.
- Nicht jede professionelle Mail ist professionell.
- Nicht jede klare Meinung ist eine gute Einschätzung.
- Und nicht jede Absage ist ein Qualitätsurteil über dein Projekt.
Manchmal ist sie einfach nur ein sehr früher Hinweis darauf, mit wem du besser nicht arbeiten solltest.
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In dieser Podcastfolge lernst du:
- … warum die Art, wie jemand absagt, oft mehr verrät als das Angebot selbst
- … warum nicht jede Absage ein Qualitätsurteil über deine Musik ist, sondern oft ein früher Hinweis darauf, mit wem du besser nicht arbeiten solltest
- … wie du aus Verunsicherung Klarheit machst und die Deutungshoheit zurückholst
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Über die Autorin
Ich bin Imke und war als Bookerin sowie Promoterin und bin als Produkt- und Labelmanagerin seit mehr als einem Jahrzehnt Teil der Musikbranche. 2017 gründete ich dann RAKETEREI.
RAKETEREI ist die beliebteste Musikerinnen-Community im deutschsprachigen Raum. Als Mentorin, Ideengeberin und Partnerin in Crime unterstütze ich die Künstlerinnen dabei, sich eine profitable musikalische Karriere aufzubauen, in dem wir uns mit Themen rund um Künstlerinnen-Identität finden sowie schärfen, individuelle Arbeits- und Selbstvermarktungsstruktur, Positionierung im Musikmarkt, Reichweitenaufbau und Wachstum auseinandersetzen.
Ziel ist es den Musikerinnen mit einem unternehmerischen Mindset auszustatten, damit sie sich erfolgreich am Musikmarkt positionieren können. RAKETEREI ist die Räuberleiter für Musikerinnen in die Musikbranche.

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Als Mentorin, Ideengeberin und Partnerin in Crime unterstütze ich dich dabei, eine unabhängige und profitable Karriere in der Musikbranche aufzubauen. RAKETEREI ist deine Räuberleiter in die Musikbranche.
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