Podcast
Als Musikerin finanziell unabhängig werden: Warum mehr arbeiten nicht die Lösung ist*
Imke Machura, Gründerin von RAKETEREI

© Imke Machura
Du spielst Konzerte, du gibst Unterricht, du nimmst jeden Auftrag mit, der reinkommt. Und am Monatsende ist trotzdem nichts übrig. Der erste Reflex ist fast immer derselbe: Ich verdiene zu wenig, ich muss eben noch mehr arbeiten. Doch genau dieser Reflex hält dich klein, statt dich weiterzubringen. Für den RAKETEREI-Podcast habe ich mit Finanz-Expertin Antje Maul-Meyer gesprochen, die aus einer eigenen finanziellen Höchstkrise heraus zur Finanzbildnerin für Frauen wurde. Deshalb erkläre ich dir in diesem Blogartikel, warum finanzielle Unabhängigkeit für Musikerinnen im Kopf beginnt, wie du dir trotz unregelmäßiger Einnahmen ein festes Gehalt auszahlst und mit welchem einfachen Kontensystem du mit deiner Musik Geld verdienen und Vermögen aufbauen kannst.*
Warum haben so viele Musikerinnen* trotz harter Arbeit kein Geld?
Die meisten Musikerinnen* in Deutschland verdienen im Jahr weniger als 24.000 Euro. Das liegt selten daran, dass zu wenig gearbeitet wird. Im Gegenteil: gearbeitet wird oft sieben Tage die Woche. Es liegt daran, dass ein entscheidender Baustein fehlt, den kaum eine von uns je gelernt hat, nämlich finanzielle Bildung.
Antje bringt es auf den Punkt: Sparen, Geld anlegen, für sich sorgen, das ist einfacher als Mathe oder Rechtschreibung, und trotzdem steht es auf keinem Lehrplan. Wer eine Sprache nie gelernt hat, kann sie nicht sprechen. Genauso ist es mit Geld.
Dazu kommt ein Glaubenssatz, der besonders bei Frauen tief sitzt. Er klingt so: »Ich mache meinen Job total gerne, dann brauche ich ja nicht so viel Geld zu verdienen.« Bei Musikerinnen* wird daraus schnell: Das Konzert war schön, die Menschen waren berührt, das ist doch Lohn genug. Wertschätzung ersetzt aber keine Gage, und Applaus zahlt keine Rente. Genau hier entsteht das Muster, lieber kostenlos zu spielen, als einen fairen Preis zu verlangen.
Der zweite Reflex heißt: Ich arbeite einfach mehr. Antje findet das am Anfang sogar sinnvoll, weil du so herausfindest, welche Jobs dir liegen und welche nicht. Auf Dauer ist es aber eine Sackgasse. Das Ziel ist nicht, mehr zu arbeiten, sondern mit weniger Jobs mehr zu verdienen, indem du deine Honorare erhöhst. Wer dagegen dauerhaft sieben Tage die Woche durcharbeitet, verliert Fokus und Gesundheit, und beides brauchst du, um überhaupt Ordnung in deine Finanzen zu bringen.
Was hat Geld mit Selbstwert zu tun?
Hier liegt der eigentliche Kern der Folge. Finanzielle Unabhängigkeit kommt nicht von außen, sie kommt von innen. Sie beginnt nicht auf dem Konto, sondern bei der Frage: Weiß ich eigentlich, was ich wert bin?
Antje arbeitet mit ihren Teilnehmerinnen* an einer sogenannten Erfolgsliste. Die Idee ist einfach und wirksam:
- Schreibe alles auf, was du schon geleistet hast und worauf du stolz bist, auch die kleinen Dinge.
- Füge jeden Tag ein paar neue Punkte hinzu, ein Leben lang.
- Lies dir die Liste regelmäßig durch, um deinen Blick auf dich selbst zu stärken.
Das ist keine Esoterik, sondern Training. Unser Gehirn ist auf das Negative programmiert, auf das, was wir nicht können, und bei Frauen ist dieser Reflex oft noch stärker ausgeprägt. Wer dagegen weiß, was sie kann, geht anders in jede Honorarverhandlung. Sie rechnet nicht nur, was sie ausgegeben hat, sondern sieht die Liebe, die Leidenschaft und den Verzicht, die in ihrer Musik stecken. Dein Selbstwert wird in dem Moment in Geld übersetzt, in dem du aufhörst, dich kleinzurechnen.
Antjes vielleicht schönster Satz aus dem Gespräch fasst das zusammen: »Der liebevolle Umgang mit Geld ist der liebevolle Umgang mit sich selbst.« Du gehst mit deinem Geld so um, wie du möchtest, dass Menschen mit dir umgehen. Es wird nicht aus dem Fenster geworfen, sondern liebevoll überlegt eingesetzt.
Wie zahle ich mir als Selbstständige* ein festes Gehalt aus, wenn meine Einnahmen schwanken?
Gerade bei Musikerinnen* kommen die Einnahmen in Wellen. Es gibt Monate mit vollem Konzertkalender und es gibt die sprichwörtliche saure Gurkenzeit. Genau deshalb braucht es ein System, das dich unabhängig von diesen Schwankungen macht. Antje nennt es ein automatisiertes Kontensystem, und es funktioniert auch im Kleinen.
So sieht es Schritt für Schritt aus:
- Zahle dir ein festes Monatsgehalt aus. Die Formel dahinter: Nimm den Gewinn aus deinem letzten Jahresabschluss, rechne 45 Prozent davon und teile diese Summe durch zwölf. Das ist dein monatliches Gehalt fürs kommende Jahr.
- Plane rund 50 Prozent deines Einkommens für den Lebensunterhalt ein, also Miete, Strom, Versicherungen, Essen und Alltag.
- Teile den Rest automatisiert per Dauerauftrag auf zwei Konten auf, ein Sparkonto und ein Luxusgeldkonto. Wie du das prozentual aufteilst, entscheidest du selbst.
Der entscheidende Trick ist die Automatisierung. Das Geld muss aus dem Blick, damit der Impuls, es auszugeben, gar nicht erst entsteht. Verlässliche Struktur schlägt Disziplin im Einzelfall. Wer nach einem großen Auftrag den ganzen Scheck auf einmal ausgibt und danach drei Monate nichts hat, verliert genau die Ruhe, die finanzielle Unabhängigkeit eigentlich schenken soll. Am Jahresende schaust du dann zum ersten Mal mit Freude auf deine Zahlen und passt dein Gehalt nach oben an, mit dem Ziel von mindestens zehn Prozent Wachstum pro Jahr.
Wie fange ich an, wenn am Monatsende kaum Geld übrig ist?
Die ehrliche Antwort: mit kleinen Beträgen. Der größte Denkfehler ist zu glauben, man dürfe erst anfangen, wenn genug da ist. Sparen ist eine Gewohnheit wie Zähneputzen, es gehört zum Alltag, egal ob du wenig oder viel verdienst. Wenn am Ende des Monats nur 10 Euro übrig sind, dann richtest du eben einen Dauerauftrag über 10 Euro ein.
Der erste Topf, den du füllst, ist das, was andere den Notgroschen nennen. Antje mag den Begriff nicht, weil er nach Mangel klingt, und nennt ihn deshalb finanzielles Selbstbewusstsein. Es umfasst drei bis sechs deiner Monatsgehälter und ist dafür da, dass eine kaputte Waschmaschine oder eine ausbleibende Buchung dich nicht aus der Bahn wirft. Um es aufzufüllen, darfst du kreativ werden:
- Verkaufe Dinge, die ungenutzt herumliegen, über Flohmarkt oder Kleinanzeigen.
- Lege jeden 5-Euro-Schein zur Seite, der dir in die Hände fällt.
- Frag dich vor jeder Ausgabe ehrlich: Brauche ich das wirklich, oder will ich es nur?
Wie weit dieser kreative Blick tragen kann, zeigt ein Beispiel aus Antjes Kursen. Eine Teilnehmerin wollte ihren Garten neu anlegen lassen, was rund 10.000 Euro gekostet hätte. Statt zu zahlen, setzte sie eine Kleinanzeige auf, lud zu einem Open-Garden-Wochenende ein und verkaufte ihre Pflanzen zum Selbstausbuddeln. Am Ende war der Garten leer, die Arbeit erledigt und sie hatte Geld in der Hand statt einer Rechnung. Not macht erfinderisch, und genau diese Findigkeit lohnt sich auch dann, wenn gerade keine Krise herrscht.
Erst wenn dieses Polster steht, beginnt der nächste Schritt: Geld anlegen. Antje empfiehlt das Konservativste und Einfachste, nämlich drei verschiedene ETFs, gestreut über Länder oder Branchen, abgeschlossen über eine günstige Trading-App statt über Bank oder Versicherung. Aktien oder Krypto nur, wenn du wirklich verstehst, was du tust. Denn auch das ist finanzielle Bildung, und die lässt sich lernen wie ein Instrument: erst die Noten, dann die ersten Töne, dann das freie Spiel. Jeder einzelne Cent zählt auf diesem Weg, nicht nur die Tausender.
Höre dir jetzt meine Podcastfolge an!
Möchtest du noch tiefer in das Thema eintauchen? In meiner Podcastfolge #201 So wirst du als Musikerin finanziell unabhängig! Im Interview mit Antje Maul-Meyer* spreche ich mit Antje über Money Mindset, Selbstwert und ein Kontensystem, das dich unabhängig von schwankenden Einnahmen macht. Höre gleich rein!
In dieser Podcastfolge lernst du:
- Selbstwert kommt vor der Gage, nicht danach: Wer weiß, was sie kann, geht anders in jede Honorarverhandlung, denn finanzielle Unabhängigkeit beginnt im Kopf, nicht auf dem Konto.
- Finanzielle Unabhängigkeit ist ein System, keine Frage der Einnahmenhöhe: Festes Gehalt, ein Konto für den Alltag, eins zum Sparen, eins für Luxus, automatisiert, damit das Geld gar nicht erst in Reichweite liegt.
- Sparen ist eine Gewohnheit wie Zähneputzen: Du fängst mit kleinen Beträgen an, nicht wenn genug da ist, denn jeder 5-Euro-Schein zählt auf dem Weg zur finanziellen Selbstbestimmung.
Hier geht es zu Podcastfolge #201
Empfehlungen für dich

3 Typen von Musikerinnen - nur eine von ihnen kann von ihrer Musik leben. Erkennst du dich wieder?
Warum kommen manche Musikerinnen voran, während andere auf der Stelle treten? In dieser Podcastfolge spreche ich über drei typische Verhaltensmuster: die stille Wissenssammlerin, die überforderte Macherin und die fragende Strategin. Erkennst du dich in einem davon wieder?

Die 3 größten Fehler bei Gagen-Verhandlungen – und wie du sie vermeidest!
Wie verhandelst du eine faire Gage für deine Auftritte? Sich unter Wert zu verkaufen, sorgt für Frust. Gleichzeitig willst du keine Absagen riskieren. In meiner Podcastfolge erfährst du, wie du deine Kosten richtig kalkulierst, strategisch verhandelst und selbstbewusst angemessene Gagen erzielst.

Warum du investieren musst
Wann solltest du in dich als Musikerin investieren? Deine To-Do-Liste ist voll, der Brotjob frisst Energie, und deine Musik bleibt auf der Strecke. Doch ohne Investitionen gibt es keinen Fortschritt. In meiner Podcastfolge erfährst du, wie Investitionen Zuverlässigkeit, Wachstum und Zeitersparnis bringen – und wann der richtige Moment dafür ist.
Über die Autorin
Ich bin Imke und war als Bookerin sowie Promoterin und bin als Produkt- und Labelmanagerin seit mehr als einem Jahrzehnt Teil der Musikbranche. 2017 gründete ich dann RAKETEREI.
RAKETEREI ist die beliebteste Musikerinnen-Community im deutschsprachigen Raum. Als Mentorin, Ideengeberin und Partnerin in Crime unterstütze ich die Künstlerinnen dabei, sich eine profitable musikalische Karriere aufzubauen, in dem wir uns mit Themen rund um Künstlerinnen-Identität finden sowie schärfen, individuelle Arbeits- und Selbstvermarktungsstruktur, Positionierung im Musikmarkt, Reichweitenaufbau und Wachstum auseinandersetzen.
Ziel ist es den Musikerinnen mit einem unternehmerischen Mindset auszustatten, damit sie sich erfolgreich am Musikmarkt positionieren können. RAKETEREI ist die Räuberleiter für Musikerinnen in die Musikbranche.

Meine Mission
Als Mentorin, Ideengeberin und Partnerin in Crime unterstütze ich dich dabei, eine unabhängige und profitable Karriere in der Musikbranche aufzubauen. RAKETEREI ist deine Räuberleiter in die Musikbranche.
Schreib mir
hallo@raketerei.com
Datenschutz | Impressum | AGB
Alle Rechte vorbehalten




